In den Händen des Ozeans

Das Ehepaar Bundschu und die hawaiianische Tempelmassage

Von Susanne Hermanski

Alles hat mit dem Meer zu tun, seiner Kraft, seinem Rhythmus, seinen Ge­setzmäßigkeiten, seinen Bewegungen. Davon sind die Hawaiianer überzeugt. Sich selbst sehen sie als Nachfahren einer Ahnenschaft von großen Navigatoren. Die fanden selbst blind ihren Weg iiber tausende Kilometer des offenen Ozeans und dies auch im iibertragenen, mentalen Sinne. Vorreiter dieser Südsee-Welle, die nun so beziehungsreich über die Well­ness-Szene schwappt, waren in Deutsch­land Margarethe und Christoph Bundschu. Seit zwölf Jahren betreibt das Ehepaar sein „lnstitut Hawaii“ in Gräfelfing bei München. Dort massieren sie selbst im Stil des alten hawaiianischen Tempelritus und haben Dutzende Masseure ausgebil­det. Die jüngste Entwicklung sehen sie dennoch mit Skepsis . „Vieles von dem, was heutzutage als „Lomi Lomi Nui“ an­geboten wird, hat mit den Ursprüngen kaum noch etwas zu tun“, sagt Margare­the Bundschu. Sie war früher von Beruf Tänzerin, hat eine klassische Ballettaus­bildung genossen und unterrichtet unter anderem Hula an ihrem lnstitut. 

lm Rhythmus der Wellen

Tanz hat viel zu tun mit der hawaiiani­schen Körperarbeit: „Charakteristische Merkmale des überlieferten hawaiiani­schen Massagestils sind die fließenden, kreisenden und ineinander übergehenden Streichungen mit Fingem, Handen und Unterarmen“, erklärt Christoph Bundschu. „Diese Bewegungen sind der Flexibilitat der im Wind tanzenden Palmen und den verschiedenen Qualitaten des Wassers ab­geschaut.“

Er beginnt, sich mit einer immer gleichen, vertrackten Schrittfolge, die an einen Ein-­Personen-Walzer erinnert, um die Massa­gebank zu bewegen: Dieses so genannte „Flying“ dient der Ausdauer und Konzen­tration des Massierenden. Eine Behandlung geht über zwei Stunden und wird begleitet von Gesängen – oder wenn man so will – Gebeten fur das Wohlbefinden des Mas­sierten. Ein weiteres wichtiges Element ist der so genannte „Backstroke“. Nach des­sen Prinzip hat jede Streichbewegung be­reits ihre Gegenbewegung in sich – wie jede Welle auch schon den Rückstrom des Wassers in sich führt. Ein Erlebnis, das sich potenziert, wenn die Masseure zu zweit, sprich vierhandig zu Werke gehen. Mit anderen Worten: Wenn der Ozean Hände hätte, dann wären es die von Margarethe und Christoph Bundschu.

Eine hawaiianische Massage, von gut aus­gebildeten Leuten vollzogen, ist mehr als eine Massage. Sie war als Heilritual konzi­piert, das bei Wendepunkten im Leben un­terstützend wirken sollte – beim Eintritt in die Erwachsenenwelt, in der Schwan­gerschaft, vor Kämpfen. Sie belässt den Massierten nicht im passiven Part. Ihr Ziel ist es, ihn zum innerlichen „mitgehen“ zu bewegen, damit er die eigenen Kräfte sei­nes Körpers wiederentdecken und aktivie­ren kann.

Diese ldee entspricht der Lehre der alten hawaiianischen „Kahunas“. Diese „Meis­ter“, Schamanen und Priester, wirkten lange Zeit nur im Verborgenen. „Bis vor 15 Jahren war ihr Tun auf Hawaii offiziell verboten“, sagt Christoph Bundschu, „die Missionare haben da ganze Arbeit geleis­tet“. Der Lehrer der Bundschus war ein Kahuna: Kahu Abraham Kawari lebte auf der lnsel Kawai’i, verbrachte aber auch viel Zeit im Ausland und im „main land“, wie die Hawaiianer das US-amerikanische Festland nennen. Er war ein moderner Kahuna, der Vortrage hielt und Workshops, der Manager „coachte“ und schon mal als Sicherheitsberater der Hawaiiani­schen Polizei hinzugezogen wurde – und den nicht alle einheimischen Kawaiianer gleichermaßen schätzten. Er gebe, er ver­kaufe zu viel „geheimes“ Wissen der Ka­hunas an die Weißen, die Fremden weiter.

Kahu Abraham Kawai’is Witwe „Ho’okahi“ hat österreichische und ukrainische Vor­fahren. Sie führt die Arbeit ihres Mannes fort und unterrichtet die hawaiianische Tempelmassage. ln Abgrenzung zu „Lomi Lomi Nui“, die Variante „für den Hausge­brauch“ , nennt sie diese „Romi“. Dabei heilt nicht der Masseur. Der Massierte heilt sich selbst. „Romi“ unterstiitzt ihn dabei, seine Balance wieder zu finden, seinen Körper wieder im Einklang mit der Natur zu begreifen. 

www.instituthawaii.de: Margarete und Christoph Bundschu geben Romi-Massagen, leh­ren Hula und bilden Therapeuten in Gräfelfing bei München aus, Tel.: 089 8544593, Mobil: 0176 32144210